Wer sein Kind in unsere Obhut gibt, schenkt uns etwas sehr Wertvolles: Vertrauen. Dieses Vertrauen beginnt nicht erst mit dem ersten Tag in der Kleinkindgemeinschaft, im Kinderhaus oder in der Schule. Es beginnt bereits mit der Frage, welche Menschen Kinder auf ihrem Entwicklungsweg begleiten dürfen.
Deshalb stellen wir uns bei jeder Bewerbung nicht zuerst die Frage: „Kann diese Person den Beruf ausüben?“ Sondern vielmehr: „Passt diese Person zu unserer Haltung – und zu den Kindern, die wir begleiten dürfen?“
Denn eine Ausbildung kann absolviert werden. Fachwissen kann wachsen. Erfahrungen sammeln sich mit den Jahren. Eine innere Haltung hingegen lässt sich nicht in einem Zertifikat nachweisen.
Kinder brauchen mehr als Fachwissen
Natürlich legen wir großen Wert auf eine fundierte Ausbildung und pädagogische Erfahrung. Beides ist wichtig. Mindestens genauso wichtig ist für uns jedoch die Art, wie ein Mensch Kindern begegnet. Kann er beobachten, bevor er eingreift? Traut er einem Kind zu, etwas selbst zu schaffen? Begegnet er Kindern mit Respekt – auch dann, wenn es schwierig wird? Kann er Geduld aufbringen und darauf vertrauen, dass Entwicklung Zeit braucht? Diese Fragen beschäftigen uns oft mehr als ein lückenloser Lebenslauf.
Montessori beginnt bei den Erwachsenen
Maria Montessori schrieb: "Die größte Vorbereitung der Lehrerin ist die Arbeit an sich selbst."
Dieser Gedanke begleitet uns bis heute. Wir wünschen uns Menschen, die bereit sind, sich selbst zu reflektieren, Fragen zu stellen und gemeinsam mit dem Team zu wachsen. Menschen, die nicht glauben, bereits alles zu wissen, sondern offen bleiben für neue Perspektiven.
Denn Montessori ist keine Methode, die man einfach anwendet. Sie ist eine Haltung.
Ein Bewerbungsgespräch reicht nicht aus
So sorgfältig ein Bewerbungsgespräch auch geführt wird – es zeigt immer nur einen kleinen Ausschnitt eines Menschen. Deshalb laden wir neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, zunächst Zeit mit uns zu verbringen. Sie hospitieren in unseren Gruppen, erleben den Alltag, lernen die Kinder und das Team kennen. Gleichzeitig lernen auch wir sie kennen.
Wir beobachten aufmerksam, wie sie den Kindern begegnen. Wie sie sprechen. Wie sie zuhören. Wie sie reagieren, wenn etwas anders läuft als geplant. Oft sind es gerade die kleinen Gesten, die viel über die innere Haltung verraten. Wir achten auf Sprache, auf den Umgang miteinander und auf scheinbar beiläufige Aussagen, die erkennen lassen, welches Bild jemand vom Kind hat.
Kinder sind die ehrlichsten Beobachter
Neben unseren eigenen Beobachtungen spielt auch das Team eine wichtige Rolle. Eine gute Zusammenarbeit entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind. Unterschiedliche Persönlichkeiten bereichern jedes Team. Gerade am Anfang braucht es Zeit, sich kennenzulernen und gemeinsame Wege zu finden. Entscheidend ist für uns jedoch, dass dieselbe Grundhaltung vorhanden ist – gegenüber den Kindern, den Menschen und der Montessori-Pädagogik. Wenn diese gemeinsame Basis besteht, dürfen Beziehungen wachsen.
Und dann sind da noch die Kinder. Kinder begegnen Erwachsenen mit einer erstaunlichen Feinfühligkeit. Sie reagieren ehrlich und unverstellt. Oft spüren sie schon sehr früh, ob eine Beziehung entstehen kann. Auch diese Beobachtungen nehmen wir ernst.
Manchmal führt der Weg in eine andere Richtung
Manchmal stellen wir gemeinsam fest, dass eine andere Altersgruppe besser zu einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter passt. Manchmal erkennen wir aber auch, dass der gemeinsame Weg im Montessori – Haus des Kindes nicht weitergehen wird. Solche Entscheidungen treffen wir niemals leichtfertig. Uns ist bewusst, dass dies für Familien herausfordernd sein kann – besonders dann, wenn sich eine Bezugsperson nach kurzer Zeit wieder verändert. Wir verstehen, dass Eltern sich Kontinuität wünschen.
Wir wünschen sie uns ebenfalls.
Und trotzdem entscheiden wir uns manchmal bewusst gegen eine Bewerberin oder einen Bewerber – obwohl Ausbildung und Lebenslauf überzeugen. Nicht, weil die Qualifikation nicht ausreicht. Sondern weil wir überzeugt sind, dass Kinder mehr brauchen als fachliches Wissen.
Sie brauchen Menschen, die ihnen mit Respekt, Geduld und echtem Interesse begegnen.
Qualität braucht Mut
Es wäre einfacher, an einer einmal getroffenen Entscheidung festzuhalten. Doch wir sind überzeugt, dass Qualität wichtiger ist als Bequemlichkeit. Deshalb nehmen wir uns die Zeit, genau hinzusehen. Deshalb hören wir auf unser Team. Deshalb vertrauen wir auch auf das feine Gespür der Kinder. Und deshalb treffen wir manchmal Entscheidungen, die im ersten Moment nicht einfach erscheinen. Nicht, weil wir Perfektion suchen. Sondern weil jedes Kind das Recht auf Menschen hat, die Montessori nicht nur kennen, sondern mit Überzeugung leben.
Das ist unser Anspruch und gleichzeitig unser Versprechen an alle Familien, die uns ihr Vertrauen schenken.


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