Stimmen aus dem Haus „Kinder zeigen uns jeden Tag, wie Entwicklung wirklich funktioniert.“

Seit 2018 begleitet Ana die Kinder unserer Kleinkindgemeinschaft. Wer sie kennt, weiß, dass sie eine ruhige Beobachterin ist. Sie greift nicht vorschnell ein, sondern schenkt Kindern Zeit, ihren eigenen Weg zu finden.

Im Gespräch erzählt sie, warum sie ihren Beruf nach 25 Jahren im Büro völlig verändert hat, weshalb Beobachtung für sie das wichtigste Werkzeug einer Montessori-Pädagogin ist und was Erwachsene von Kindern lernen können.


Ana, wie bist du eigentlich Montessori-Pädagogin geworden?

„Nach etwa 25 Jahren im Büro hatte ich das tiefe Bedürfnis, beruflich einen neuen Weg einzuschlagen. Die Arbeit mit Kindern hat mich gedanklich immer wieder beschäftigt.

Als das Montessori – Haus des Kindes gerade entstand, haben sich die Wege gefügt. Ich habe mich entschlossen, die Ausbildung zu beginnen und mein berufliches Leben komplett zu verändern.

Seitdem bin ich Teil dieser Gemeinschaft.“


Was hat dich an Montessori von Anfang an begeistert?

„Dass das Potenzial der Kinder – besonders der ganz jungen Kinder – völlig anders gesehen wird, als es üblicherweise der Fall ist.

Kinder werden nicht danach beurteilt, was sie noch nicht können. Man schaut darauf, was bereits in ihnen angelegt ist und wie man sie auf ihrem Entwicklungsweg begleiten kann.“


Was bedeutet Montessori für dich persönlich?

„Montessori ist für mich die Hoffnung und die Chance, den Menschen und die menschliche Natur besser zu verstehen.“


Welche Rolle hat eine Montessori-Pädagogin?

„Wir sind Vorbilder.

Wir beobachten, reflektieren und gestalten eine vorbereitete Umgebung, die den Kindern genau das anbietet, was sie in ihrer jeweiligen Entwicklungsphase brauchen.

Wir stehen nicht im Mittelpunkt.

Unsere Aufgabe ist es vielmehr, eine Brücke zwischen dem Kind und dem Material zu sein.“


Warum ist Beobachtung so wichtig?

„Nur wenn wir Kinder wirklich kennenlernen, können wir ihre Bedürfnisse erkennen.

Beobachtung ist die Grundlage all unserer Überlegungen, Vorbereitungen und Planungen.“


Was fasziniert dich jeden Tag an deiner Arbeit?

„Kein Tag ist wie der andere.

Egal wie gut wir vorbereitet sind – die Kinder kommen oft mit ihren eigenen Ideen und Plänen. Das macht unsere Arbeit lebendig und spannend.“


Welche Momente berühren dich besonders?

„Wenn ein Kind seinen ersten vollständigen Satz spricht.

Wenn ein Kind einem anderen hilft.

Oder wenn nach vielen Versuchen plötzlich etwas gelingt – zum Beispiel die Schuhe selbst anzuziehen oder die Schnalle der Regenhose alleine zu schließen.

Genau in solchen Momenten weiß ich wieder, warum ich diesen Beruf liebe.“


Was können Erwachsene von Kindern lernen?

„Nicht aufzugeben.

Kinder probieren etwas immer und immer wieder, bis es gelingt.

Viele Erwachsene würden längst aufgeben oder sich ärgern.

Kinder zeigen uns, wie viel Ausdauer möglich ist, wenn man ein echtes Ziel vor Augen hat.“


Warum spielt die vorbereitete Umgebung eine so große Rolle?

„Sie gibt Kindern alles, was sie für ihre Entwicklung brauchen.

Dabei geht es nicht nur um den Raum oder die Materialien.

Auch die Menschen, die Atmosphäre und der Tagesrhythmus gehören dazu.

Kinder brauchen Zeit.

Zeit, sich einer Tätigkeit so lange zu widmen, wie sie es selbst brauchen.“


Warum sollten Erwachsene Kinder möglichst wenig unterbrechen?

„Wenn wir Kinder ständig antreiben oder unterbrechen, vermitteln wir ihnen unbewusst, dass ihre Arbeit nicht wichtig ist.

Dabei entstehen Konzentration und Ausdauer gerade in den ersten Lebensjahren.

Diese Fähigkeit wächst nur, wenn Kinder die Möglichkeit bekommen, sich wirklich zu vertiefen.“


Was wünschst du dir von Eltern?

„Offenheit.

Keine Angst davor, Fragen zu stellen.

Interesse an der Montessori-Pädagogik.

Und vor allem Geduld – mit den Kindern, aber auch mit sich selbst.“


Gibt es etwas, das du Eltern gerne häufiger sagen würdest?

„Vergleicht eure Kinder nicht miteinander.

Jeder Mensch entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.

Und genießt die ersten drei Lebensjahre bewusst.

Sie sind unglaublich wertvoll und kommen nie wieder.“


Worauf bist du besonders stolz?

„Ich hoffe, dass sich die Kinder bei uns nicht wie in einer Einrichtung fühlen, sondern wie in einem zweiten Zuhause.

Eine ruhige, schöne und wertschätzende Atmosphäre war mir immer wichtig – und ich glaube, das ist uns gemeinsam gelungen.“


Was bedeutet Montessori für dich in einem Satz?

„Montessori bedeutet für mich, Haltung, Liebe und Wissen Hand in Hand gehen zu lassen – im Vertrauen darauf, dass jedes Kind sich zu dem besonderen Menschen entwickeln darf, der bereits in ihm angelegt ist.“


Zum Abschluss

Was bedeutet für dich ein glückliches Kind?

„Ein glückliches Kind ist für mich nicht ein Kind, das nie weint oder immer bekommt, was es möchte.

Ein glückliches Kind findet alles vor, was es braucht, um sich gut entwickeln und seine Potenziale entfalten zu können.“


Wir bedanken uns herzlich bei Ana für dieses persönliche Gespräch und für ihre Gedanken, die zeigen, wie viel Achtsamkeit, Vertrauen und Respekt in der täglichen Arbeit mit den Kindern stecken.

 

Denn manchmal entsteht Entwicklung genau dort, wo Erwachsene bereit sind, einen Schritt zurückzutreten und dem Kind die Zeit zu schenken, die es braucht.

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